Die 10 Dinge, die ich an Indien nicht vermissen werde

So wie es die Sachen gibt, die mir schrecklich fehlen werden, gibt es auch die, von denen ich mich nur mit einem lachenden Auge verabschiede. Zwar lernte ich im Laufe des Jahres, mit den meisten Dingen umzugehen, doch bin ich nicht böse, diese Sachen in Indien zurückzulassen. Noch einmal möchte ich betonen, dass diese Dinge meiner persönlichen Meinung entsprechen und nicht für ganz Indien verallgemeindernd gesehen werden sollen. Viel Vergnügen! 🙂


#10 – Lärm

Eine Sache für die Indien meist schon bekannt ist, auch wenn man selbst noch nie dort war: das Hupen, Tuten, Tuk-Tuken, Schreien,… das von der Früh bis in die Nacht andauert, also eigentlich nie wirklich aufhört. Auch das Surren der Deckenventilatioren trägt zu diesem Grundlärmpegel bei, dem man quasi nicht entkommen kann. Doch ich muss sagen, obwohl ich all diese Geräusche nicht wirklich vermissen werde, mit der Zeit habe ich mich an sie gewöhnt und konnte bis zum Schluss gut damit leben. So kam es dass ich immer wieder mit Leuten skypte und diese dann irendwann fragten, was bei mir im Hintergrund denn los sei, weil es so laut war, was mir gar nicht mehr aufgefallen wäre.


#9 – Dreck

Noch ein Vorurteil, das Indien vorrauseilt und sich leider auch meistens bewahrheitet. Müll überall. Ob einfach am Straßenrand, in den Kanälen, im Fluss und einfach dort, wo die Leute den Müll einfach fallen lassen, oder aus Auto-, Bus- oder Zugfenstern schmeißen, für all jene, deren Beruf es ist, diesen Müll wieder aufzusammeln, gibt es genug zu tun.
Und während ich mich auch an diesen Müllwahnsinn nach einer Weile gewöhnen konnte, mit einer Sache werde ich mich nie anfreunden können: Die Umfunktionierung jedes Gehsteigs, jeder Mauer und jedes Straßenrands zur öffentlichen Toilette! Egal wo man hinkommt, überall stehen Männer einfach irgendwo, sogar einfach mitten in der Stadt auf einer großen Straße und urinieren in den Kanal, wenn keiner vorhanden auch einfach gegen die nächst beste Mauer. Und während man das mit viel Aufwand ja noch irgendwie ignorieren könnte – bei dem Gestank schafft man es garantiert nicht!


#8 – Selfies

Im letzten Jahr habe ich ein völlig neues Ausmaß des Selfie-Trends miterleben dürfen. Während wir uns am Anfang noch über die Leute, die bei jeder Gelegenheit mit jedem Selfies schossen, lustig machten, durften wir schnell feststellen, dass vorallem wir diejenigen waren, die alle auf ihren Fotos haben wollten. Ob im Supermarkt, in der Shoppingmall, einfach auf der Straße, in Restaurants, am Bahnhof, und vorallem auch im Chiguru, wenn irgendwelche Sponsoren auf Besuch kamen, überall hörten wir Fragen wie ‘Can we take one Snap?’. ‘Can I have one photo with you?’ bishin zu Forderungen wie ‘I want one picture’ oder einfach nur ‘photo!’, denen man dann meist eher ungern nachkam. Doch auch an das gewöhnten wir uns mit der Zeit, und es machte auch Spaß, wenn sich die Leute dann richtig freuten, mit uns auf einem Foto zu sein, da wir in Vijayawada quasi die einzigen mit anderer Hautfarbe waren. Doch gab es dann auch die Leute, die sich gar nicht die Mühe machten zu fragen, sondern einfach ‘unauffällig’ neben uns standen und uns fotografierten oder filmten und überhaupt nicht verstanden, wieso wir uns darüber aufregten.


#7 – Power- und Watercuts

Während Stromausfälle ja auch bei uns hin und wieder vorkommen, sind Wasserausfälle eher weniger bekannt, doch in Indien sogar noch häufiger. Obwohl wir Glück hatten und diese im Chiguru wirklich selten vorkamen, standen sie in der Flat am Tagesprogramm. Oft dauerten sie nur ein paar Minuten, manchmal aber auch ganze Tage. Besonders schön waren diese im Sommer, wenn man vor lauter Schwitzen eh nur mehr am Boden unter dem Ventilator lag und sich dann sogar der zu bewegen aufhörte. Oder noch schlimmer, wenn man sich entschieden hatte, mal wieder die Flat zu putzen und dann am Schluss schwitzend und dreckig nurmehr duschen wollte und natürlich ist genau dann das Wasser weg – herrlich!


#6 – Zeitmanagement

Wie ich schon im letzten Blog beschrieben habe, ist die indische Zeiteinteilung bei den meisten Leuten nicht ganz so eng wie wir es in Europa gewohnt sind. Was auf der einen Seite zu einem entspannteren Lebensstil ohne Stress etc. führen kann, bringt einen auf der anderen Seite hin und wieder wirklich zum Verzweifeln. Nicht nur einmal saßen wir stundenlang und warteten auf jemanden, der in ‘5 mInutes’ für uns Zeit haben wird und nicht nur einmal gingen wir nach 3 Stunden warten dann völlig entnervt weg. Genauso verbrachten wir schon Stunden auf diversen Bahnhöfen und Bushaltestellen, da es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln natürlich genau das selbe ist.


#5 – Blicke

Änlich wie mit den Selfies war es mit den Blicken, besonders in Vijayawada und den ländlichen Gegenden rundherum, doch manchmal auch in den größeren Städten, wo Touristen eigentlich was gewohntes sein sollten. Am besten zu beschreiben ist es, wenn man sich vorstellt man wäre in einem Zoo, doch mit uns ‘Andersfärbigen’ als Zootieren. Denn während manche uns einfach neugierig nachschauten, waren andere Blicke wirklich richtig unangenehm. Meist war es der Fall, dass wir einfach weggehen konnten, doch in Zügen, wo man nirgends hin konnte, wurden wir manchmal dann auch bis zu 5 Stunden einfach ständig, völlig ungeniert niedergestarrt, und selbst zurückstarren hatte keinen Zweck, das interessierte sie keineswegs.


#4 – Viecher

Ob Ameisen, Moskitos, Spinnen, Käfer oder Läuse – nie war ich so intim mit ihnen wie in diesem letzten Jahr. Spinnen waren für mich persönlich noch am harmlosesten, die konnte man einfach wegkehren und fertig.
Käfer waren meist auch kein großes Problem, die einzig richtig widerlichen waren meiner Meinung nach die kleinen schwarzen, die einen richtig grauslichen Gestank verbreiteten, wenn man unabsichtlich draufstieg, was so ziemlich immer passierte, weil sie jeden Abend überall waren. Und obwohl ich sie am Anfang noch irgendwie akzeptieren konte, wie mir einer in der Nacht ins Ohr kletterte und ich zum HNO-Arzt musste, war Schluss mit Lustig!
Ameisen waren einfach immer und überall. Nachdem sie uns die ersten Tafeln Schokolade weggefressen hatten, lernten wir schön langsam, dass man einfach immer alles sofort wieder wegräumen und in Dosen verpacken musste.
Moskitos sind und bleiben die mühsamsten Viecher überhaupt. Fast über das ganze Jahr verteilt, mit Ausnahme vom Mai, wo es sogar ihnen zu heiß wurde, waren sie immer da und waren für nicht nur eine schlaflose Nacht (trotz Moskitonetz!) verantwortlich.
Als mich eine ehemalige Volontärin fragte, ob ich im Chiguru denn schon Läuse gekriegt hätte, war ich noch ganz verwundert, und hoffte nur, dass mir diese erspart bleiben würden. HAHAHA! Ein paar Tage später begann es zu jucken und von da an war der Läusekamm mein neuer bester Freund. Die Mama schlug am Telefon die Hände über dem Kopf zusammen und war ganz verzweifelt, wie sie das hörte, doch kaum zu glauben aber wahr: sogar an Läuse kann man sich gewöhnen! Manchmal waren sie da, manchmal wieder nicht, bei den Kindern ständig, daher konnte man sich sicher sein, dass sie mit der Zeit wieder kommen werden. Umso schöner war es heute, als ich mit Läusemittel sicherstellte, dass sie mich nicht nach Österreich begleiten werden.


#3 – Magenprobleme

Es ist faszinierend, was für Ausmaße die in Indien so süß als ‘Stomach Problems’ bezeichneten Magen und Darmprobleme annehmen können, und vorallem wie sehr sie den von vornherein schon anstrengenden Arbeitsalltag beeinträchtigen können. Während diverse Bauchkrämpfe und Durchfall meinst schon fast keine Aufmerksamkeit mehr bekamen, führten manche Bauchgrippen, die dann meist alle in der Flat auf einmal hatten, oft dazu, dass die Wohnung ein einziges Krankenlager wurde. Am allerschönsten war dies verbunden mit Watercut! <3


#2 – Heatboils

Da die Meisten zu diesem Begriff wahrscheinlich kein Bild im Kopf haben werden, will ich es kurz beschreiben. Man nehme einen Riesenpickel, der aber nicht an der Hautoberfläche, sondern darunter, sitzt. Dieser entzündet sich und wird immer, immer größer und größer und tut auch dementsprechend höllisch weh (nicht übertrieben!). Nach ca. einer Woche des Wachsens ist es schließlich so weit und man kann, entsprechend der Größe, entweder viel oder richtig viel Eiter rausdrücken, was wiederum mit höllischen Schmerzen verbunden ist. Nach einigen Tagen des Eiterns, kann man schließlich den letzten, im besten Fall schon hart gewordenen Eiterpfropfen, manchmal auch in Wurmform, entfernen und zurück bleibt, entsprechend der Größe, entweder ein großes oder richtig großes Einschussloch, das dann langsam zu heilen beginnt und eine wunderschöne Narbe hinterlässt.
Hat man wirkliches Glück, wie meine Volokollegin Magda, bleibt einem dieser Spaß erspart. Hat man ‘Glück’ wie ich, ist es nach zwei riesigen Boils ,direkt am frisch gestochenen Tattoo,vorbei. Hat man aber das Glück von Anna und Rebecca, kommen sie immer, immer wieder; in den verschiedensten Größen und an den verschiedensten Stellen.


#1 – Hitze

Die Hitze war für mich mit Abstand das unerträglichste an diesem Jahr und ich glaube, an solche Temperaturen werde ich mich auch nicht mehr gewöhnen. Und dabei rede ich nicht von 37 oder 38 Grad, so warm war es das ganze Jahr über und damit konnte man leben. Aber im Mai kletterten die Temperaturen auf einmal hinauf bis zu den 49 Grad und da bestand der ganze Tag nur mehr aus schwitzen, schwitzen und nochmehr schwitzen. Hatten wir das Glück und es war Wochenende, verbrachten wir die Zeit meist in klimatisierten Kinos oder unter den Ventilatoren, unter der Woche war das eher schwierig. Schon in der Früh wurde man von der Hitze geweckt, denn da wir aufgrund der halbwegs angenehmen Temperaturen in der Nacht am Dach schliefen, war die Sonne hab 7:20 schon wieder viel zu stark, um noch länger liegen zu bleiben. Duschen konnte man nur ganz in der Früh oder in der Nacht, weil das Wasser untertags so aufgeheizt war, dass man sich die Finger verbrannte. Den Kindern ging es ähnlich, Schweißausschläge etc waren weit verbreitet und wir hielten uns prinzipiell nurmehr im Schatten auf, ab 11 Uhr vormittags war dann aber sogar die Luft zu heiß, um im Schatten zu spielen.

Klara Verfasst von:

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