HALBZEIT

Auch wenn ich nahezu jeden Blog Artikel bis jetzt damit angefangen habe, zu sagen, wie schnell die Zeit doch vergeht, muss ich es auch dieses Mal wieder tun. Vor einigen Tagen haben wir die Halbzeit unseres Volontariats erreicht! Und obwohl es sich jetzt nicht mehr so anfühlt, als wären wir gerade erst gelandet, sind die Gedanken ans nach Hause kommen noch weit entfernt.
In den letzten sechs Monaten habe ich unglaublich viel gelernt, und das auf verschiedenste Weisen. Obwohl ich davor schon einige Zeit weg vom gewohnten Umfeld verbracht hatte, so war es doch das erste Mal, dass ich komplett auf mich alleine gestellt war. So waren beispielsweise Sachen wie regelmäßiges Wäsche waschen (in Kübeln), Wohnung putzen, einkaufen, Kleidungnähen, etc. zu Beginn noch gewöhnungsbedürftig und jetzt schon ganz normal.
Auch im Flatleben habe ich schon einige Wandlungen miterleben dürfen, da sich das Klima und der Alltag mit jedem Volontär der kommt und geht natürlich ändert. Dadurch, dass in Vijayawada so viele Volontäre eingesetzt werden können, bekommen wir die Chance, so viele ganz verschiedene Leute aus den verschiedensten Ländern und Altersgruppen kennenzulernen. Doch die Kehrseite davon ist natürlich auch, dass die Leute, die man als neue Familie ins Herz geschlossen hat, sich irgendwann wieder nach Hause begeben und man sie zwar als sehr gute Freunde liebgewonnen hat, doch sie dann natürlich auch dementsprechend vermisst, wenn sie nicht mehr da sind. Vor kurzem sind beispielsweise Michi und Simon, die seit letzten Februar in Vijayawada gelebt haben und uns bei unseren Anfängen geholfen und begleitet haben, wieder zurück nach Wien geflogen. Seitdem sind Magda und ich nur mehr zu zweit im Chiguru!

In den letzten Monaten gab es häufig Spannungen und Missverständnisse mit einigen ‘Arbeitskollegen’ hier im Chiguru. Oft waren es nur Kleinigkeiten, die bei den anderen Unmut stifteten und meistens einfach nur ein Mangel an  Kommunikation, eines der Dinge, die bei jedem Meeting und in jedem Projekt ein großes Problem darstellen. Eine Weile war es sogar so, dass wir uns überhaupt nicht mehr respektiert und dadurch sehr unwohl im Projekt fühlten. Wir baten um ein Meeting mit den Fathers und dem Projekt Incharge, wo wir versuchten, unseren Standpunkt und unsere Probleme klar zu machen und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten, in der Hoffnung, es würde sich etwas positiv verändern. Obwohl ich nach dem Meeting nicht das Gefühl hatte, es hätte auch nur irgendetwas gebracht, wurde es danach immer besser und im Moment könnte es besser nicht laufen!
Vorallem an diesem Beispiel lässt sich gut eine Veränderung zeigen, die ich an mir selbst festgestellt habe. In der Zeit der Missverständnisse, nahm ich viele Sachen persönlich, die von der anderen Seite gar nicht so gemeint waren. Es brauchte viel Zeit bis ich verstand, dass vieles einfach mit den Kulturunterschieden zwischen den Indern und uns zu tun hat. Für mich war es beispielsweise extrem frustrierend, wenn ich von den Sisters nie eine Rückmeldung oder Kritik bekam, wenn sie was störte, sondern immer durch unsere Volontärsbeauftragte erfahren musste. Doch als ich verstand, dass direkte Kommunikation in Indien und vorallem in unserem Projekt einfach nicht üblich sind, wusste ich zumindest, dass es nicht an mir lag. Doch erst mit dieser Erkenntniss, war es möglich, Probleme auf eine Art zu lösen, die die anderen auch verstehen.
Trotzdem gibt es natürlich immer noch einige Dinge, mit denen ich nicht gut klar komme, aber jetzt verstanden habe, dass es nichts bringt, sich aufzuregen und die ich daher zu akzeptieren versuche, wie beispielsweise die Tatsache, dass in Indien Respekt direkt proportional zum Alter ist. Während wir nämlich meist eher noch als Kinder angesehen werden und demnach eher wenig Respekt bekommen, war das bei unseren Volontärskollegen Rainer und Marlene, einem etwas älteren Ehepaar aus Deutschland, ganz anders. Doch wiedermal: auch wenn ich es nicht unbedingt gut finde, weiß ich nun zumindest, dass es nicht an mir persönlich liegt.

Im letzten Monat hat sich auch sonst einiges getan. An zwei Wochenenden unternahmen wir Ausflüge, einen nach Vizag und einen nach Hampi. Die letzten zwei Jännerwochen beehrte mich meine Cousine mit ihrem Besuch, war somit an meinem Geburtstag da, um mit mir zu feiern und half außerdem zwei Wochen im Chiguru mit. Danach kam noch mehr Besuch von zu Hause, und wir verbrachten zwei Wochen im Süden auf Urlaub, von dem ich bald genauer berichten werde.

Und von dem Urlaub komme ich auch schon zum letzten und wichtigsten Punkt dieses Artikels: ‘meinen’ Kindern! Als ich nach den zwei Wochen Urlaub zurück ins Projekt kam, wurde ich wie immer lautstark mit Begeisterung willkommen geheißen und merkte da, wie sehr ich die Kinder schon vermisst hatte. In den letzten Monaten ist mir jedes einzelne von ihnen richtig ans Herz gewachsen und obwohl 120 Kinder ziemlich oft ziemlich anstrengend sein können und mir schon oft meine letzten Nerven geraubt haben, macht ein Blick in ihre strahlenden Gesichter das alles wieder gut. Jede/r  einzelne von ihnen ist so besonders und trotz der zum Teil wirklich tragischen Schicksale immer happy, wofür sie meine größte Bewunderung verdienen.
Und deswegen bin ich wahnsinnig froh, noch weitere 6 Monate mit ihnen verbringen zu dürfen! <3

Klara Verfasst von:

2 Kommentare

  1. Sichi
    21. Februar 2017
    Antworten

    Wir vermissen euch auch…. 🙁
    genieß es noch und auf bald bei einer Zwiebelsuppe!

    lg Simon…oder Michi?

  2. Gloria
    21. Februar 2017
    Antworten

    Wahnsinn (!), wie die Zeit verfliegt. Aber schön zu lesen/sehen dass es dir gut geht. Genieß die zweite Halbzeit!

    Liebste Grüße von der großen Cousine und der Mini-Großnichte 😉

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