INDIA – TOP 15

Mein Volontariat neigt sich dem Ende zu, das letzte Monat ist angebrochen. Und so ist es schön langsam an der Zeit, über das erlebte zu reflektieren, nachzudenken und Abschied zu nehmen. Um meine Erfahrungen ein bisschen anschaulicher und lustiger darzustellen, habe ich beschlossen, eine Liste mit den 15 coolsten Sachen, die ich in diesem Jahr kennengelernt habe, genießen durfte oder entdeckte, zu machen. Natürlich beinhaltet dieses Ranking nicht einmal ansatzweise alles, was Indien oder ein Volontariat zu bieten hat und da wir das Thema Rassismuskritik in der Vorbereitung lang und breit besprochen haben, möchte ich alle extrem rassismus-kritischen Leser unter euch bitten, sowohl den Beitrag als auch den Titel ‘India – Top 15’ nicht ganz ernst zu nehmen, da es sich natürlich nur um meine subjektive Meinung handelt, und ich diese Dinge nicht für ganz Indien verallgemeinern kann. In diesem Sinne, viel Spaß bei meinen persönlichen Indien – Highlights oder: ‘Die 15 Sache, die ich am meisten vermissen werde’! 🙂


#15 – ‘Chilliger’ Lebensstil

शांति शांति (Hindi: Shanti Shanti) wird zwar wörtlich mit ‘Frieden’ übersetzt, doch ist eine Phrase die soviel heißt wie ‘Jetzt chill einfach mal!’. Und genau nach diesem Motto gestalten viele Inder ihren Tag. Nur kein Stress, wird sich schon alles ausgehen. Für einen unpünktlichen, chaotischen Menschen wie mich natürlich ein Traum. Denn egal wieviel zu spät man zu einem Meeting oder einem Treffpunkt kommt, in 80% der Fälle sind die anderen eh auch noch nicht da. Dass dies natürlich nicht nur positiv sein kann, ist auch klar, doch dazu mehr in meinem folgenden Beitrag: ’15 Dinge, die ich an Indien nicht vermissen werde’!


#14 – Menschen

Auch das ist ein Punkt, der in beiden Rankings vorkommen wird, doch zuerst die positiven Seiten. Die Inder sind wahnsinnig freundliche Menschen. Egal wo wir hinkamen, überall wurden wir gegrüßt und freundlichst aufgenommen. Besuchten wir auch ein noch so kleines Haus, sofort wurde ein Sitzplatz vorbereitet, den man dann natürlich dankend annehmen musste, Getränke und Essen organisiert, auch wenn sie selbst nichts hatten und alles gemacht, dass sich die Besucher wohl fühlten. Und diese Gastfreundlichkeit ist eines der Dinge, die in Indien ganz einfach zur Kultur gehören.
Auch wenn man einmal Hilfe braucht, sei es eine Frage nach dem Weg, die Uhrzeit, ein kaputter Fahrradreifen, etc., man trifft kaum jemanden der nicht sofort versucht  dir zu helfen. In den meisten Fällen ist es sogar umgekehrt – bevor jemand zugibt, beispielsweise den Weg nicht zu wissen, sagt er dir lieber eine völlig falsche Richtung 🙂


#13 – Geld

So wie überall ist auch in Indien das liebe Geld ein Thema, das jeden beschäftigt. Als ich hier her kam, war mir nicht bewusst, wie billig hier alles sein würde. Deswegen war ich umso verblüffter, als ich zum ersten Mal einkaufen ging. Kiloweise Früchte und Gemüse um weniger als 5 Euro, eine Kinokarte um 1,20 (dafür die Popcorn doppelt so teuer),… Doch trotz den mega niedrigen Preisen besteht die Gefahr, dass man das Nachrechnen dann irgendwann vergisst und der Kontostand eine kleine Panikattacke auslöst, wie ich am eigenen Leibe feststellen durfte.


#12 – Fancy Stores

Geschäfte gibt es in Indien in jeder Stadt auf quasi jeder Straße. Egal ob Essen, Papier, Fotodrucker, Plastiksachen, Öle, Gewürze, Krimskrams, Schuhe oder Kleidung, für alles gibt es extra Geschäfte. Doch meine absoluten Favoriten sind die sogenannten Fancy Stores. Meist auf mehreren Etagen aufgeteilt gibt es hier Bullshit (aber im guten Sinne) soweit das Auge reicht. Sachen, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass sie existierten, und die natürlich, so wie alles, billigst! Und sobald man einmal drin war, weiß man nicht, wie man bis jetzt ohne diese Sachen existieren konnte 🙂 Singende Kuchenmesser, tausende Partypopper in verschiedensten Größen und Farben, lebensgroße, singende Weihnachtsmänner, Lichterketten (einfärbig, mehrfärbig, schnell blinkend, langsam blinkend), Verkleidungen, Christbaumschmuck, Ostergrußkarten, Geldkuverts aus Geldscheinen, Zauberhüte, Zuckerl, Haarspangen, Putzmittel, Bücher Bastelzeugs; ich weiß weder wo ich anfangen noch aufhören soll.


#11 – Vielfalt

Indien ist – so ziemlich in jeder Hinsicht – eines der vielfältigsten Länder, das ich bis jetzt kennenlernen durfte. Nehmen wir die Landschaft zum Beispiel. Egal wo man hinkommt, es wird garantiert völlig anders aussehen als überall sonst. Man muss nur ein paar Stunden mit dem Zug fahren und schon glaubt man, es sei eine völlig andere Welt. Ob Hügelland mit Teeplantagen, Wüste, die höchsten Berge der Welt, Meer und Palmen, riesige Steine in der Landschaft verstreut oder kilometerweit nur Reisfelder, man findet alles in einem einzigen Land.
Zu dieser Vielfalt gehört auch die Buntheit. Die Straßen sind voll von bunten Sachen: Frauen in Sarees oder Panjabis, Wäsche die getrocknet wird, Plakate, Farben, Schmuck und Früchte. Alles leuchtet, funkelt und glitzert.
Genauso ist es mit den Sprachen. Fast in jedem der 29 Bundesstaaten wird eine andere Sprache oder zumindest ein anderer Dialekt gesprochen. Die bekannesten von den über 100 verschiedenen Sprachen und Dialekten sind: Hindi, Urdu, Bengali, Tamil, Gujarati, Kannada, Malayalam, Telugu, Asamiya, Kashmiri, Panjabi und Sanskrit, um nur einige zu nennen.


#10తెలుగు (Telugu)

Apropos Sprachen, da muss man natürlich auf die beste von allen ein bisschen genauer eingehen: Telugu.
Die Hauptsprache von Andhra Pradesh und Telangana, wird von über 74 Millionen Muttersprachlern und 5 Millionen Zweitsprachlern tagtäglich gesprochen und stellte für uns Volontäre am Anfang eines der größten Probleme in der Kommunikation dar. Doch auch wenn ich mich nicht behaupten trauen würde, Telugu nach diesem Jahr auch nur ansatzweise fließend zu beherrschen, die Basics sind vorhanden und die Kommunikation mit den Kindern funktioniert mit einem Telugu-Englisch-Mix die meiste Zeit einwandfrei.
Das lustigste am Telugu reden ist und bleibt aber die Tatsache, wie sehr sich die Leute freuen sobald du ein Telugu-Wort (muss nicht einmal in den Kontext passen) rauslässt. Nach einem überraschenden Grinsen kommt dann die altbekannte Frage: ‘Telugu otchaa?’ (Du sprichst Telugu?) und nach unserer Antwort: ‘Koncham Koncham’ (ein bisschen) waren sie vor Freude meistens gar nicht mehr zu stoppen.
Und nachdem das ja eine Liste mit Lieblingssachen ist, darf natürlich auch mein Lieblings-Teluguwort nicht fehlen: Tipikalalu, frei übersetzt ‘Süße Träume’ bedeutet. Und obwohl das im normalen Leben eigentlich kein Inder so sagen würde, freuen sich alle immer sehr, wenn wir es zu ihnen sagen.


#9 – Festivals

Wenn man an Indien denkt, dürfen natürlich auch die Festivals nicht fehlen. Vorallem die Hindu Feste werden hier riesig gefeiert. Sei es Ganesha oder Divali, diese Feierlichkeiten kann man nicht verpassen. Schon Tage davor werden alle Straßen und Häuser dekoriert, Lichter aufgehängt, kleine Altare aufgebaut und an den Tagen des Festivals kann man von überall Trommeln und Musik bis spät in die Nacht hören, Umzügen auf der Straße folgen und mit bunt bemalten Leuten zu fetzigen Rhythmen tanzen und es ist ganz normal.


#8 – Klobrausen

Mit diesem Punkt werde ich bei vielen wahrscheinlich auf Unverständnis stoßen, aber Klobrausen sind meiner Meinung nach eine der coolsten Erfindungen. Um das vielleicht ein bisschen besser verstehen zu können, will ich daran erinnern, dass es in Indien nicht üblich ist, Klopapier zu verwenden. In den normalen Stehklos sowieso nicht, doch auch wer den Luxus eines Sitzklos genießen kann, hat meist nur einen großen und einen kleinen Kübel zu Verfügung. Was am Anfang eine richtige Herausforderung war, ist jetzt ganz normal und meiner Meinung nach sogar hygienischer als die europäische Art. Doch zurück zum eigentlichen Thema, nachdem wir alle nur die Kübel gewohnt sich, sind die Klobrausen, die es meist nur in feineren Hotels, Restaurants oder Malls gibt, immer ein Highlight! 🙂


#7 – Die Flat und meine Mitvolontäre

Wie wäre dieses Volontariat ohne meine traumhaften Volokollegen/innen in der wunderbaren Flat gewesen? Wahrscheinlich ziemlich traurig. In diesem Jahr wurden so viele enge Freundschaften geknüpft, die verrücktesten Sachen erlebt, gelacht, gestritten, geweint, geflucht, geputzt, Partys bis in die Früh gefeiert, Ausflüge gemacht und ich bin wahnsinnig dankbar für jeden Moment. Durch die Wohnung hatten wir unser eigenes kleines Europa mitten in Vijayawada, wo wir tun und lassen konnten was wir wollten. Natürlich gab es wie in jeder WG auch hin und wieder Diskussionen und Streits aber wo gibt es die denn nicht? Das besondere an unserer Flat ist und war aber, dass wir kunterbunt aus verschiedensten Ländern, verschiedensten Regionen, mit verschiedenen Sprachen, verschiedenen Hobbys und verschiedenen Gewohnheiten aber aus ein und dem selben Grund in ein völlig fremdes Land kamen, ohne uns vorher richtig gut zu kennen. Und trotz all dieser Unterschiede, wurden wir ein super Team!


#6 – Rooftops

Die indische Bauweise der meisten Häuser ist wie folgt: Man nehme ein starkes Fundament und baue so viele Stöcke wie dieses tragen kann, bis kein Geld mehr da ist. Ist wieder Geld verfügbar, baue man noch einen weiteren Stock darauf. Durch diese Technik entsteht in den meisten Fällen ein super Nebenprodukt: die Dachterrasse.
Egal ob für ein Festessen zu Weihnachten, verschiedenste Feierlichkeiten, Tanzproben, Raketen schießen zu Silvester, Holi-Colour Schlachten, morgentliche Workouts, als Schlafplatz im Sommer bei 50 Grad oder einfach zum Entspannen und die Ruhe genießen, eine Dachterrasse kann man einfach immer gebrauchen.


#5 – Sleeperbusse

Eine Sache von der ich vor Indien noch nie gehört hatte sind Sleeperbusse. Dass es Züge mit Schlafabteilen gibt war mir bekannt (auch wenn diese in Österreich wahrscheinlich völlig anders aussehen), doch dass es das selbe auch in Bussen gibt war neu. Und nach dem ersten Mal war klar – ich bin ein Fan! Denn man verliert nicht nur keine Zeit mit langen Strecken im Urlaub, sondern man spart sich außerdem eine Nacht in einem Hotel und die Betten sind echt ziemlich bequem. Wenn man die Vorhänge zuzieht, hat man ganz seine Ruhe (ein großer Vorteil zum Schlafwaggon im Zug) und wird durch das Klappern des Busses und die vielen Bodenwellen sanft in den Schlaf gewackelt.


#4 – Telugu Musik

Schon wieder eine Sache, die mir überhaupt nicht bewusst war, bis ich im August die erste Flatparty miterleben durfte und Chima DJ spielte, war, welche Art von Musik in Indien gehört wird. Ich hatte immer eher so eine Art ‘Ringidingi’-Musik im Kopf. Das für mich interessanteste war, dass es bis auf ein paar bekannte Sänger eigentlich keine Bands und ähnliches gibt, alle Lieder, die jeden Tag auf und ab gehört werden, sind aus den Telugu-Filmen, was die Lieder und Filme natürlich für jeden Bundesstaat anders macht. Meist sind sie aber einfach nur in einer anderen Sprache mit der selben Melodie. Und fast alle machen richtige Party-Stimmung!
Kein Wunder also, dass bei jeder Feierlichkeit, egal ob Geburtstag, Weihnachten oder einer Abschiedsfeier, davor Tänze einstudiert werden und ich kann versprechen, da können die Tänze unserer Schulkinder nicht im geringsten mithalten! Schon die ganz kleinen Zwerge haben Moves drauf, von denen manche Tänzer bei uns nur träumen können. Und gemeinsam bringen sie so viel Energie auf die Bühne, man wird richtig fröhlich, wenn man ihnen nur zusieht. Besonders für mich waren also die Tanzproben und Aufführungen der Volontäre bei den diversen Festen ein riesen Spaß, vorallem weil die Kinder die Tatsache, dass wir uns auf der Bühne zum Affen machten, richtig cool fanden.
Für alle, die ich neugierig gemacht habe, hier könnt ihr euch eines meiner Lieblingslieder anhören!


#3 – Fruitjuice

Eine Tradition, die sich über das Jahr hin entwickelt hat, war das Fruitjuice trinken am Wochenende. Gleich bei uns ums Eck, bzw. eigentich an jeder Straßenecke, findet man Saft-Bars, die verschiedenste Sorten von frisch mit Eis gemixten Fruchtsäften für ca. 40 Cent anbieten. Neben unseren Favoriten Ananas und Mango, gibt es zum Beispiel Banane, Sapota, Orange, Granatapfel, Weintraube, Karotte, Trockenfrüchte, und so weiter.


#2 – Streetfood

Und schon sind wir in der Top 2 angekommen, in der sich das Streetfood zurecht seinen Platz verdient hat. Genau wie alles andere, findet man Streetfood überall. Zwar nicht in Geschäften, aber auf kleinen Plätzen davor. Und auch wenn es in Europa aufgrund tausender Hygieneauflagen nie möglich wäre und Reiseführer sowie Tropeninstitut etc. davor warnen, wer in Indien war, ohne Streetfood probiert zu haben, hat eindeutig was verpasst. Im Großen und Ganzen kann man das Streetfood in zwei große Kategorien teilen: Frittiert oder Gebraten. Während Gebraten alles von Egg-Noodels, Veg-Noodels, Fried Rice mit Ei, Gemüse, oder Fleisch bis hin zu Manjurian (Kohlbällchen) beinhaltet, gibt es bei den frittierten Sachen noch viel mehr Auswahl: Punugulu (kleine Teigtropfen), Mysore-Bhaji (große Teigbällchen), Tomato-, Onion-, Chilli-, oder manchmal auch Chickenbhaji (die diversen Zutaten mit Backteig umhüllt, Vadda (ein anderer Teig, frittiert in Ringform), Puuri (runde, aufgeblasene Teigflecke), Dosa in diversen Variationen (Palatschinkenform nur anderer Geschmack), und vieles vieles vieles mehr. Und wieder einmal das tolle: für weniger als einen Euro bekommt man eine volle Mahlzeit, die noch dazu mega traumhaft schmeckt!


#1 – Tuk Tuks

Zu guter letzt, die ungeschlagene Nummer 1: die Tuk Tuks, auch Rikschaw oder in Vijayawada Auto genannt. Sicher hat jeder schon einmal davon gehört, aber erst in Indien bin ich drauf gekommen, wie cool diese Dinger eigentlich wirklich sind. Nicht nur, dass sie lustig aussehen, sie sind einfach überall, fahren überall hin, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit und kosten wiedermal – quasi nichts. Obwohl man natürlich argumentieren könnte, dass sie zu Faulheit motivieren, was ich auch gar nicht bestreiten kann, aber es ist trotzdem einfach toll, wenn man nur vors Haus gehen muss, die Hand ausstrecken und nach spätestens 2 Minuten hat man einen, meist sogar mehrere Chauffeure die dann untereinander streiten, wer dich jetzt mitnehmen darf. Auch das Preis verhandeln war in den meisten Fällen nie ein Problem. Denn obwohl es immer wieder Fahrer gab, die glaubten, uns wegen unserer Hautfarbe verarschen zu können, merkten auch diese dann schnell, dass auch ‘die Weißen’ manchmal unfreundlich werden können.
Meiner Meinung nach sind Tuk Tuks bei weitem das beste Fortbewegungsmittel überhaupt. Vor allem in Indien, wo es sonst hauptsächlich Motorräder, Busse, Räder und Autos gibt, stellt es ein gutes Mittelding zwischen Motorrädern, bei denen man einfach ganz dem Verkehr und den Blicken ausgeliefert ist, und dem Auto, wo man vom Straßenleben gar nichts mehr mitbekommt, dar. So ist man zwar vor unangenehmen, starrenden Leuten geschützt, kann aber trotzdem alles sehen, riechen und hören. Und so beginnt man nach kurzer Zeit sogar, das anfangs penetrante tuk tuk tuk tuk der Motoren, zu lieben! ♥

Klara Verfasst von:

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