RAJASTHAN #1

Kaum in Indien angekommen, sind auch schon die ersten drei Monate vorbei. Auch wenn es mir noch immer so vorkommt, als wären wir gerade erst am Flughafen gelandet, habe ich doch sehr schnell realisiert, wie notwendig und verdient dieser erste Urlaub schon war. Da wir im Projekt wenig Zeit für Planungen hatten und die Buchung unserer Tickets durch technische Probleme der Agentur erst zwei Tage vor Reisebeginn gebucht wurden, konnten wir erst am Abreisetag als wir die Tickets endlich bekamen, richtig aufatmen.

Location of Rajasthan in IndiaRajasthan (übersetzt: das Land der Könige) ist der größte Bundesstaat Indiens mit einer Fläche die fast mit der Deutschlands zu vergleichen ist und liegt im Nordwesten des Landes. Mit seinen unzähligen kulturellen Bauwerken und alten Städten, Naturreservaten und der Thar Wüste ist er ein beliebtes Urlaubsziel für viele Touristen.  Die Hauptstadt ist Jaipur, was auch unser erstes Ziel war.

 

JAIPUR

Wir starteten von Vijayawada per Bus nach Hyderabad, wo wir mit dem Flugzeug nach Jaipur, ‘the Pink City’, reisten. Wir hatten uns vorher schon auf Empfehlung von Volontärskollegen über die Plattform Couchsurfing mit einem Hotelbesitzer in Verbindung gesetzt, der für Couchsurfer eines seiner Hotelzimmer gratis zur Verfügung stellt, was wir natürlich ausnutzten. Nach ein, zwei Abschlusscocktails in der extrem coolen Hotellounge 100% Rocks war der Anreisetag dann auch schon wieder vorbei.
Am nächsten Tag waren wir dann soweit, den Urlaubsbeginn so richtig zu zelebrieren und machten uns anstatt in Panjabis wie normalerweise, mit Trägerleiberl und Flatterhose auf den Weg in die Stadt. Obwohl genug andere Leute in westlicher Kleidung herumliefen, war es trotzdem wirklich komisch, so ‘nackt’ durch die Stadt zu gehen.
Unser erster Stop war der große City Palace im Stadtzentrum. Schon bevor wir Eintritt gezahlt hatten, zeigte sich uns ein alt bekanntes Bild: eine deutsche Pensionisten-Reisegruppe mit Sandalen und Socken, Schirmkappen und Selfie-Sticks, an der wir uns unauffällig vorbeischlichen. Der Palast war wirklich schön, alles bis ins kleinste Detail verziert und sehr weitläufig. Außerdem waren verschiedenste Museen und Ausstellungen zu sehen.

Als nächstes besuchten wir das Nahargarh Fort, eine Festung auf den Hügeln außerhalb der Stadt, die früher gemeinsam mit den zwei anderen berühmten Forts zur Abwehr gedient hatten. Die Ausblick von dort war traumhaft, man konnte die ganze Stadt überblicken!

Auf Empfehlung unseres Rikscha Fahrers machten wir danach noch einen Zwischenstop beim Jal Mahal, einem Wasser Palast in der Mitte des Man Sagar Teichs. Obwohl wir danach eigentlich nur mehr ein bisschen shoppen wollten, ließen wir uns vom Fahrer überreden, noch kurz eine Fair-Trade Textilfabrik zu besuchen, wo wir eines der skurrilsten Erlebnisse des ganzen Urlaubs hatten. Ein junger Inder mit sehr gutem Englisch begrüßte uns und führte uns durch die Arbeitsräume, erklärte uns alles und zeigte uns die einzelnen Arbeitsschritte. Danach zeigte er uns noch den Verkaufsraum und wir kamen ins Gespräch, wo er auf einmal zum Deutsch reden anfing. Er erklärte uns, dass er eigentlich in Deutschland wohne und eigentlich nur auf Urlaub in Indien ist, da seinen Großeltern die Fabrik gehört. Wir waren alle so überrascht, dass wir nur mehr gelacht haben. Das beste war jedoch, dass er über Sachen wie den chaotischen Verkehr, das Klima, die vielen Leute, usw. geschimpft hat, Dinge die für uns schon ganz normal sind und die er obwohl er in Indien geboren wurde, überhaupt nicht gepackt hat. Es war einfach so göttlich, von einem Inder erklärt zu bekommen, dass er Verhandeln nicht mag und regelmäßig viel zu viel auf Märkten bezahlt. Zwei Stunden später hatten wir dann zu (nicht verhandelten) fairen Preisen bunte Schals und Stoffe erstanden und ließen uns von unserem immer noch wartenden Rikscha Fahrer zum Bazar bringen.

Den Sonntag starteten wir mit einem Treffen mit Deepak, unserem Couchsurfing-Host/Hotelbesitzer, der uns zum Frühstücken in seine neu eröffnete Bakery und Caffee Bar einlud. Bei Pancakes und einem Schokomuffinshake erzählte er uns viel von seinen Reisen und Projekten, es war ein wirklich spannendes Gespräch! Wir waren wirklich froh, dass wir ihn kennenlernen durften, er ist ein wirklich cooler Typ und hat gemeint, dass wir jeder Zeit in Jaipur bei ihm willkommen wären.
Gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zum Monkey Temple, bei dem an diesem Tag aufgrund eines Festes hunderte an Menschen, zusätzlich zu den hunderten Affen, die dort auch an normalen Tagen wohnen, waren. Die Hindu Pilgerstätte, eigentlich Galtaji genannt, besteht aus einigen Tempeln, die in eine schmale Felsspalte gebaut wurden, gemeinsam mit ‘Pools’, die von einer Quelle gefüllt werden und in denen Gläubige baden.

Als letzte Sehenswürdigkeit in Jaipur besichtigen wir noch das berühmte Amer Fort, wo wir nun endgültig feststellten, dass wir uns trotz der gleichen Hautfarbe wie die anderen Touristen schon mehr wie Inder fühlten als Europäer. Zwar wurden wir trotzdem ständig um Selfies gebeten, trotzdem war unser Verhalten und das Verhalten der Touristen in vielen Situationen einfach grundlegend anders, was wir mit einem gewissen Stolz feststellten.

Und schon waren die ersten zwei Tage um und nach insgesamt ca. 5 Stunden Busfahrt erreichten wir unser nächstes Ziel, Pushkar.


Pushkar Lake

PUSHKAR

Pushkar, ‘the Temple Town’, war ganz sicher eines meiner Highlights des ganzen Urlaubs. Mit nur ca. 14 000 Einwohnern gilt es nicht einmal als Stadt, sondern eher als Dorf. Aufgebaut um den Pushkar Lake, ist es vorallem für seine Tempel, besonders den Brahma Temple berühmt, da weltweit nur sehr wenige existieren. Durch die vielen Tempel ist ganz Pushkar ein ‘Holy Place’, somit waren Dinge wie Alkohol, Rauchen, Fleisch, Eier und kurze Kleidung überall tabu.
Als wir Sonntag Abend ankamen, wurden wir schon beim Aussteigen aus dem Bus von vielen Hotelbesitzern willkommen geheißen, die uns bei sich unterbringen wollten. Nach ‘heftigen’ Verhandlungen waren wir nach einer Zimmerbesichtigung auch auf Anhieb zufrieden und nach einem kurzen Abendspaziergang waren wir uns einig, den nächsten Tag ganz dem Shopping zu widmen!

Da Pushkar eigentlich bis auf kleine Gassen mit lauter Hotels und Gästehäusern nur aus einer Marktstraße besteht, war diese nicht schwer zu finden und die Auswahl riiiiesig! Alles aus Leder, Stoffe, Gewand, Schmuck, Waffen, Gewürze, Streetfood,… ohne Ende! Nach drei Fruitjuices und viel Streetfood sind wir gegen 3 Uhr Nachmittags dann mit unseren 8 gekauften Ledertaschen, 6 bunten Stoffhosen, etlichen Ohrringen, Armbändern, Lederbüchern und leeren Geldbörsen ins Bett gefallen. Nach der Mittagspause machten wir uns dann auf den Weg zur Camel Fair, ein jährliches Event, bei dem über 50 000 Kamele und andere Tiere ver- und gekauft werden. Es ist eine der größten Messen des Landes die jedes Jahr tausende an Besuchern anzieht, und auch dementsprechend groß zelebriert wird. Wir besuchten die Fair am Tag vor dem offiziellen Beginn, womit wir die größten Menschenmassen vermieden. Trotzdem waren schon viele Kamele, von oben bis unten dekoriert und bemaldt, unterwegs. Nach einer kurzen Überlegung, selbst ein Kamel zu erstehen, haben wir uns dann zum Glück doch dafür entschieden, nur Abendessen zu gehen, und haben zu unserer großen Begeisterung ein Lokal mit Pizza gefunden, die man einigermaßen mit europäischer Kost vergleichen konnte.
Wie wir am nächsten Morgen feststellten, war auch das Frühstück in dem Restaurant ein Traum, was wir natürlich ausnutzen mussten. Danach besuchten wir den berühmten Tempel, ließen uns alles erklären, segnen, usw. wobei sie dann natürlich probierten, uns zu einer riesen Spende zu überreden, um das Karma aufzubessern. Doch wie gesagt, nach drei Monaten in Indien lernt man auch, sich aus solchen Situationen gut rauszureden. 🙂

Dienstag Nachmittag ging es dann mit dem Bus nach Ajmer und nach einer kurzen Wartephase mit dem Zug weiter in die nächste Stadt, Udaipur, über die ich im zweiten Teil des Blogs in den nächsten Tagen schreiben werde!

Klara Verfasst von:

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