RAJASTHAN #2

Abendliche Aussicht auf Udaipur

UDAIPUR

Nach vier wirklich schönen Tagen sollte unsere Reise nun etwas anstrengender werden. Schon die 5 stündige Zugfahrt von Pushkar nach Udaipur war ein Abenteuer an sich. Da wir die billigsten Tickets ohne Sitzplatzreservierung gebucht hatten und unser Abteil nicht auf Anhieb fanden, waren bereits alle Sitzplätze vergeben und wir mussten uns mit unseren großen Rucksäcken einen Platz am Boden suchen. Zwar bot uns ein Inder seinen Sitzplatz an, das war uns dann aber auch unangenehm und wir sagten ihm, dass es kein Problem sei, ‘Indian Style’ zu reisen, was das ganze Abteil zum Lachen brachte. Nach einer Weile stiegen dann Leute aus und wir konnten unsere Plätze wechseln, es war also alles halb so wild. Trotzdem ist und bleibt Zugfahren eines der Dinge, die ich so oft wie möglich vermeiden werde, da die ungenierten Blicke, mit denen man gemustert wird, sowohl am Bahnhof als auch im Zug am schlimmsten und am schwersten zu ertragen sind.
Im Hostel angekommen, genehmigten wir uns noch einen Abschlussdrink und eine angebliche Pizza, die man nur durch das Aussehen und weniger durch den Geschmack als solche identifizieren konnte. Doch die Aussicht vom Rooftop Restaurant, von der aus man die ganze Stadt überblicken konnte, machte den fehlenden Geschmack wieder gut 🙂

Am nächsten Tag in der Früh erwartete uns dann eine ziemlich unangenehme Überraschung, von der bis nach Europa berichtet wurde: die Entwertung der 500 und 1000 Rupees Scheine, die von der Regierung quasi über Nacht beschlossen wurde, um das viele Schwarzgeld in Indien zu bekämpfen. Für mehr Informationen habe ich hier eine ziemlich gute Beschreibung gefunden:

http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-11/indien-korruption-rupie-geldschein-austausch-narendra-modi

Da wir zu diesem Zeitpunkt fast nur 500 Rupees Scheine besaßen und keine Bank geöffnet hatte, machten wir uns auf den Weg, um auf andere Art an Geld zu kommen. Da wir ziemlich hungrig waren, fragten wir in einem Restaurant mit unserem liebsten Lächeln, ob sie nicht eine Ausnahme machen könnten und trotzdem einen 500er Schein akzeptieren würden, doch da merkten wir erst, dass nicht nur wir ein riesen Problem mit dieser neuen Regelung hatten. Selbst der Restaurantbesitzer meinte, selbst wenn er wollte, könnte er keine Ausnahme machen, da er kein Wechselgeld besäße. Und allen anderen ging es nicht anders. Doch zum Glück hatte ein Kellner Mitleid mit uns und meinte, dass er uns helfen könnte. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie genau er es machte, aber knappe zwei Stunden später hatte er uns 1300 Rupees gewechselt und wir konnten trotz dem Wissen, dass das sicher nicht ganz legal über die Bühne gegangen war, fürs Erste einmal ausatmen.
Am nächsten Tag hatten manche Banken zum Glück wieder offen, doch wie erwartet waren wir nicht die Einzigen, die ihre Geldscheine umtauschen wollten. Nachdem uns die erste Bank nach einer halben Stude Wartezeit erklärte, dass sie Ausländern kein Geld geben, probierten wir unser Glück bei der Nächsten. Mindestens 30 Leute standen schon vor der Bank Schlange, die Polizei bewachte das Ganze mit Gewehr, es war also alles sehr beruhigend. 🙂 Zum Glück half uns unsere Hautfarbe auch in dieser Situation und wir wurden vor der Schlange in die Bank geholt und seperat bedient. So hatten wir nach einer Stunde Wartezeit endlich nurmehr gültiges Geld in der Tasche und die Bekanntschaft mit einem belgischen Photografen gemacht, den wir in der Bank kennengelernt hatten.

Obwohl wir schon mehr als einen Tag in Udaipur waren, hatten wir noch nichts von der Stadt gesehen und starteten deswegen eine Sightseeing Tour und machten uns auf den Weg zur wahrscheinlich berühmtesten Sehenswürdigkeit der ‘Lake City’, dem City Palace. Das Bauwerk, zusammengestellt aus einer Serie von Palästen, die zu verschiedenen Zeiten gebaut wurde, steht direkt am Lake Pichola, einem der vier Seen in Udaipur. Es besteht aus diversen Gärten, Terrassen, einem Museum und einem Teil, den die Royal Family noch zum Leben verwendet. Vom Palace aus machten wir eine Bootstour am Lake Pichola und besichtigten den Lake Palace, ein 5 Sterne Hotel mitten am See und Jag Mandir, einen anderen Palast auf einer Insel im See, der heute hauptsächlich als Touristenattraktion und als ‘Wochenendhaus’ der Royal Family dient.

Den Sonnenuntergang genossen wir auf einem Hügel neben der Stadt, was eine tolle Entschädigung für den mühsamen Vormittag war. Nach einem Streetfood Abendessen machten wir noch einen Spaziergang, um noch ein paar nächtliche City Palace Fotos zu schießen.

Leider war mein Magen mit dem Streetfood nicht ganz einverstanden, was er mir auch die ganze darauffolgende Nacht zeigte. So verbrachte ich auch die letzten Stunden in Udaipur im Bett und dann 6 Stunden im Bus, eine nicht ganz so angenehme Erfahrung! Doch auch diese ging vorbei und wir erreichten zum Glück ohne weitere Zwischenfälle unsere nächste Destination.


Jodhpur

JODHPUR

Jodhpur, ‘the Sun City’ oder auch ‘Blue City’ genannt, ist die zweit größte Stadt Rajasthans und vorallem berühmt für die vielen blau gestrichenen Häuser der Altstadt, wie das Foto zeigt.
Doch auch in dieser Stadt waren wir hauptsächlich auf unsere finanzielle Situation konzentriert. So verbrachten wir circa 5 Stunden auf der Suche nach einer Bank die bereit war uns Geld zu geben, wobei unsere Suche erfolglos blieb. Glücklicherweise war unser Rikschafahrer sehr motiviert und brachte uns kurz vor unserem Nervenzusammenbruch zum Hauptgebäude der Post, wo wir neben vielen anderen endlich wieder Geld ausgehändigt bekamen!
Leider waren wir danach alle so müde, dass wir bis auf einen Abendrundgang zum Clock Tower und zum Markt nichts mehr unternahmen.

Am nächsten Tag besuchten wir das berühmte Mehrangarh Fort, von dem aus ein traumhafter Ausblick über die Blue City versprochen wurde. Leider war die Aussicht nicht vorhanden, da wir zum ersten Mal die Auswirkungen des Smogs bemerkten. Auch wie wir zu einem See fuhren, war es trüb und grau, es war eine sehr komische Stimmung. Ziemlich enttäuscht besichtigten wir als letztes noch den Umaid Bhawan Palace, Residenz der derzeitigen Royal Family Jaipurs und mit 347 Räumen einer der größten Privatpaläste weltweit.

Obwohl wir nicht sehr viel Zeit in Jodhpur verbracht hatten, waren wir uns einig, dass uns diese Stadt nicht wirlkich begeistert hatte und machten uns deswegen am Nachmittag mit dem Bus auf den Weg in die Wüste!


Jaisalmer

JAISALMER

Jaisalmer, ‘the Golden City’, liegt inmitten der Thar Wüste und bot uns durch die vielen Gebäude aus Sandstein und das Wüstenklima eine ganz neue Atmosphäre verglichen zu den anderen Städten.

Schon bei der Ankunft war zeigte sich, dass diese Stadt eines meiner HIghlights werden würde. Ohne Komplikationen wurden wir vom Bus abgeholt, obwohl es nicht einmal ausgemacht war. Das Zimmer war schön und geräumig und wirklich billig und anfangs war ich wirklich skeptisch und auf der Suche nach dem Haken, da bis jetzt nie alles ganz glatt gelaufen war. Doch ich fand keinen! 🙂

Den ersten Vormittag blieben wir aufgrund meines noch nicht sehr stabilen Magens im Zimmer und erst am Nachmittag gingen wir auf Erkundungstour. Unser erstes Ziel war das riesige Jaisalmer Fort im Zentrum der Stadt, das sowohl einen Palast, als auch viele Tempel und andere reichlich verzierte Bauwerke inkludierte. Die Besonderheit, verglichen mit den anderen Forts die wir bis jetzt besichtigt hatten war, dass es sich um ein noch lebendes Fort handelte, also nicht nur zu Touristenzwecken oder Besichtigungen diente sondern noch immer ca ein viertel der Bevölkerung beherbergt, was das ganze umso interessanter machte. Neben den Tempeln gab es viele Shops, Hotels und Lokale und viele Aussichtspunkte von denen man sowohl die Stadt als auch Teile der Wüste überblicken konnte.

Bevor wir uns auf den Weg zu einem Sunset Point machten, besichtigten wir noch kurz den Gadisagar Lake, die frühere Wasserquelle der Stadt. Der Sunset Point war ein bisschen außerhalb der Stadt und bestand aus vielen kleinen Türmen und Bögen, ich bin mir bis jetzt nicht ganz sicher, welchen Sinn diese haben sollten oder ob sie nur für die Touristen aufgebaut wurden. Trotzdem genossen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang dort, der das Fort und die Stadt gold strahlen ließ.

Am Tag darauf war es dann endlich soweit für die KAMELSAFARI!!
Gemeinsam mit einer 60 jährigen Archäologin aus Australien wurden wir am frühen Nachmittag mit dem Auto in die Wüste gebracht, wo unsere Kamele und die 2 Guides schon auf uns warteten. Erst als das Kamel aufstand wurde mir bewusst, wie groß diese Tiere eigentlich sind. Aber ‘Michael Jackson’ und ich waren ein sehr gutes Team! Je weiter wir in die Wüste ritten, desto wüstiger wurde es. Wo zuerst noch Felder und Büsche waren, fanden wir kurze Zeit später nur noch Sanddünen vor. Nach 1 1/2 Stunden waren wir bei unserem Schlafplatz für die Nacht angelangt und alle ziemlich froh, wieder selbst gehen zu können. Denn obwohl das Reiten wirklich lustig war, machten sich die Oberschenkel und Gesäßmuskeln mit der Zeit ziemlich schmerzhaft bemerkbar. Nachdem alles abgeladen war und wir eine Chai Tea Pause eingelegt hatten, stand nun Kamelfotoshooting am Programm während die Sonne immer tiefer sank. Den Sonnenuntergang in der Wüste werde ich nie vergessen, es war eine ganz eigene und wunderschöne Stimmung!
Während wir den Sunset genossen hatte unser Guide schon begonnen, über dem Lagerfeuer unser Abendessen zuzubereiten und ich durfte beim Chapati (eine Art Fladenbrot) machen helfen. Von da an nannte er micht nur mehr Desert Girl, weil ich mich anscheinend nicht so schlecht angestellt hatte 🙂

Beim wirklich leckeren Abendessen kam dann auf einmal Besuch über die Dünen spaziert: ein Bewohner aus einem 7 km entfernten Dort, der uns eisgekühltes Bier und Cola verkaufte, das wir dann beim anschließenden Lagerfeuer noch genossen. Dabei kamen wir auch mit unserem nur 21 Jahre alten Guide ins Gespräch, der wirklich cool drauf war und uns erzählte, dass er nun seit 6 Jahren Touren alleine mit Touristen machte.
Die Nacht war trotz dicker Decke wahnsinnig kalt und relativ unbequem, was uns aber nicht weiter störte. Der Supermond war die ganze Nacht zu sehen und wir konnten sogar beobachten, wie er von einer Seite auf die andere wanderte, es war eine wirklich spannende Erfahrung! In der Früh, pünktlich zum Sonnenaufgang, den wir von unseren ‘Betten’ aus beobachten konnten, brachte uns unser Guide Frühstück: Tee, Toast, Eier, Früchte und Kekse, es war echt luxuriös!
Danach ging es wieder ab auf die Kamele, auf denen wir dann sogar ein Stück galoppieren konnten, was zwar lustig aber ziemlich schmerzhaft war. Trotzdem waren wir alle extrem froh, dass wir uns dazu entschieden hatten, die Safari zu machen, da wir eine tolle Zeit in der Wüste verbrachten!

Zurück im Hotel holten wir nach einer Dusche den fehlenden Schlaf nach und warteten auf der Dachterrasse auf unseren Zug, der uns nach Delhi bringen sollte.
Blöderweise hatte niemand von uns daran gedacht, nochmal auf das Datum unseres Zugtickets zu achten, weshalb wir einen Tag zu spät auf unseren Zug warteten. Also buchten wir neue Tickets, und stiegen um 1 Uhr Nachts in den Zug um 14 Stunden später in Delhi anzukommen. In Delhi selbst verbrachten wir noch eine Nacht, genossen den letzten Tag bei gutem Frühstück, gaben das letzte Bargeld aus das noch über war und entspannten so gut es ging. Am Nachmittag fuhren wir zum Flughafen, und nachdem wir in Hyderabad gelandet waren, brachte uns der Bus über Nacht zurück nach Hause.

Auch wenn der Urlaub von Geld- und und Gesundheitsproblemen gestört wurde, war es insgesamt eines der tollsten Erlebnisse bis jetzt. Gestärkt und motiviert konnten wir alle ins Projekt zurückkommen, voll mit Erlebnissen und neuen Erfahrungen, die wir in diesen zwei Wochen gemacht hatten.
Eines der wichtigesten Sachen, die ich auf dieser Reise gelernt hatte war, dass, egal wo ich oder in welcher Situation ich war, es war immer sofort jemand da, der mir seine HIlfe anbot. Und es ist mir wirklich wichtig, diese Erfahrung zu teilen, da mir bewusst ist, dass in Europa meist nur die negativen und gefährichen Sachen über Indien und die Leute verbreitet werden. Natürlich hat es bei anderen Leuten auch schon negative Situationen gegeben aber ich persönlich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass ich bis jetzt in dieser Hinsicht nur positive Dinge erlebt habe! Verglichen zu Österreich ist die Hilfsbereitschaft hier trotz Sprachbarriere und unterschiedlicher Hautfarbe viel mehr vorhanden!
Außerdem haben wir in diesen zwei Wochen wirklich viele interessante Leute kennengelernt, an die wir noch oft zurückdenken werden! Alles in allem war es ein unvergesslicher Teil dieses großen Abenteuers!

Klara Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.